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Zum Ende der Seite springen Rezension "Der Zauberberg"
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kline
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Der Zauberberg

Thomas Mann




"Der Zauberberg" ist ein Zeitroman, der die geistige Lage Europas vor dem Ersten Weltkrieg analysiert. Der Autor artikuliert dies vor allem in Form von Diskussionen zwischen den Protagonisten aber auch durch Reflexionen des Erzählers.
Dies ist aber nur die eine Seite des Werkes. Der Roman ist auch von Elementen eines klassischen Bildungsromans geprägt: Der junge Hans Castorp sucht in der Auseinandersetzung mit geistigen Gehalten einen eigenen tragfähigen humanistischen Standpunkt. Manns Werk behandelt gewissermaßen philosophisch das Wesen der Zeit. Im Roman stehen sich das Davoser Sanatorium mit seiner unwirklichen und zeitlosen Atmosphäre der Bergwelt und die bürgerliche Arbeitswelt mit ihrer minutiösen Zeiteinteilung als Gegensätze gegenüber.

Entstehung: Ursprünglich war der Roman als parodistisches Gegenstück zum "Tod in Venedig" konzipiert. Doch im Laufe seiner fast zehnjährigen Entstehungszeit (1913-24) wurde das Werk zum umfassenden philosophischen Roman erweitert. Dazu trug Thomas Manns Aufenthalt in Davos 1912 bei. Auch äußere Ereignisse wie der Erste Weltkrieg und begleitende Arbeiten des Autors wie dem Essay "Betrachtungen eines Unpolitischen" (191cool hatten auf die Veränderung Einfluss.

Inhalt:Der 24-jährige Hamburger Patriziersohn Hans Castorp besucht vor Antritt seiner Ingenieursausbildung seinen lungenkranken Vetter Joachim im Sanatorium Bergfried im schweizerischen Davos. Aus den geplanten drei Wochen Aufenthalt werden schließlich sieben Jahre. In der zeitentrückten, atmosphärisch von Krankheit und Tod geprägten Bergwelt des Sanatoriums erweist sich der "einfache junge Mensch" als leicht empfänglich für die sinnlichen und geistigen Einflüsse und die weltanschaulichen Positionen der einzelnen Romanpersonen.

Die Romanfiguren kämpfen um die Seele des Protagonisten: die verführerische Russin Clawdia Chauchat, der "Zivilisationsliterat" Settembrini, der fanatische Jesuitenschüler Naphta sowie die "große Persönlichkeit" des Mynheer Peeperkorn stehen sich in wechselnden Konstellationen als aufeinander bezogene Antipoden gegenüber. Während Joachim "als Soldat und brav" an seiner Krankheit stirbt, findet Hans Castorps Aufenthalt und damit der Roman sein abruptes Ende in dem ausbrechenden Weltkrieg, in dem sich die Spur des Protagonisten verliert.

Wirkung: "Der Zauberberg" gehört zu den am meisten beachteten Romanen von Mann. Nach dem Erscheinen des Werks mischte sich große Bewunderung mit Kritik. Vor allem die ausgiebige Auseinandersetzung des Romans mit Philosophie, Theologie, Medizin und Psychoanalyse wurden als ein Übermaß an Intellektualität kritisiert.

Insgesamt wird der Roman als groß angelegtes geistiges Panorama der Vorkriegszeit verstanden. Für Mann war das Werk vor allem eine klärende Auseinandersetzung über seinen ästhetischen Standpunkt zur Politik und zum Ersten Weltkrieg. Ein großer Teil der Überlegungen des Romans ist - bei nun veränderter Grundeinstellung - dem kurz zuvor verfassten politischen Essay "Betrachtungen eines Unpolitischen" entnommen. "Der Zauberberg" hat auch in späteren Jahren immer wieder Interesse auf sich gezogen. 1981 verfilmte Hans Werner Geissendörfer das Werk.

Der Autor: Thomas Mann (* 6.6.1875 in Lübeck + 12.8.1955 in Kilchberg bei Zürich) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts. In seinen Romanen und Erzählungen thematisierte er die Bedeutung des Künstlers und Schriftstellers für die Gesellschaft zwischen der Jahrhundertwende und den 1950er Jahren. Eine zentrale Rolle spielte dabei das Problem der Vermittlung von Geist und Sinnlichkeit; Mann behandelte vordringlich die Philosophie von Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer.

Bei grundsätzlich beibehaltener realistischer Erzählhaltung erweiterte Mann die Form des psychologischen Romans insbesondere durch eine breit angewandte Leitmotivtechnik. Durch eine spezifische Form der Ironie verlieh er dem Werk eine zeitgenössische Position.

1875 als Sohn einer Patrizierfamilie in Lübeck geboren, lebte Mann nach dem Tod seines Vaters 1893 in München. Er arbeitete zunächst ein Jahr als Redakteur der Zeitschrift "Simplicissimus", dann als freier Schriftsteller. 1905 heiratete er die Münchner Professorentochter Katja Pringsheim. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich Mann verbrachte er 1895 bis 1897 zwei Jahre in Rom und Palestrina.

1929 erhielt Mann den Literaturnobelpreis für seinen Erstlingsroman "Buddenbrooks". 1933 exilierte er auf einer Vortragsreise, konkret veranlasst durch die öffentliche Kritik an einem Aufsatz über Richard Wagner (1813-83), zunächst in die Schweiz. 1939 ging er in die USA, zunächst als Gastprofessor nach Princeton (New Jersey), anschließend nach Pacific Palisades (Kalifornien).

Seit den frühen 1920er Jahren wandelte sich Manns politische Haltung. Nahm er zuvor einen ästhetisch begründeten nationalkonservativen Standpunkt ein, wurde er immer mehr zum Verfechter der Weimarer Republik. Dieses Umdenken artikulierte sich im Exil in der klar formulierten Ablehnung des nationalsozialistischen Deutschlands, die er in Reden, Vorträgen und regelmäßigen Radioansprachen zum Ausdruck brachte. 1944 wurde Mann US-amerikanischer Staatsbürger. Nach mehreren Reisen nach Europa und in das Nachkriegsdeutschland übersiedelte er 1952 nach Kilchberg in der Schweiz.

Aus "Das Buch der 1000 Bücher"
11.10.2005 19:02
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